Willkommen in der Welt der Bobfahrer

Zum Bobsport bin ich vor drei Jahren gekommen. Als Multisportler, (Fussball und Leichtathletik beim TV Oltingen), wurde ich von Bob Pilot Marco Lorenzoni angefragt, einen Versuch als Bob- Anschieber zu wagen.

Bald war ich bei Swiss Sliding als Aktivmitglied aufgenommen, für die Saison 2021 in das Junioren- und Elitekader der Nationalmannschaft.

Geboren 1998 und aufgewachsen in Oltingen Baselland, habe ich meine Ausbildung als Zimmermann bei der GGS Holzbau AG in Gelterkinden im Jahr 2018 abgeschlossen, ein Beruf, bei dem ich anpacken und Verantwortung übernehmen kann.

Meine Highlights der Saison 2020 war die Teilnahme an der Junioren Weltmeisterschaft in Sankt Moritz und an der Weltmeisterschaft im 4er Bob Team von Cedric Follador in Altenberg.

Bob- Anschieber - was ist das eigentlich und was braucht es dazu? -

Fünf Sekunden dauert die Startzeit, bis der Bob Pilot mit seinem Geschick das Rennen bestimmt und trotzdem hat die Startgeschwindigkeit des Schlittens Auswirkungen auf die Geschwindigkeit im ersten Drittel der Rennstrecke. Hundertstel Sekunden und 4-5 Km/h mehr oder weniger am Start, sind entscheidend für eine gute Laufzeit.

Der Anschieber benötigt explosive Sprintfähigkeiten auf kurzer Distanz, Kraft und ein Körpergewicht von mindestens 90 Kg, um den Bob (390 Kg 2er, 630 Kg 4er) möglichst schnell in Fahrt zu bringen. Natürlich darf man den Schlitten mit Gewicht beladen um das maximale Gewicht zu erreichen. Ideal ist das zwar nicht, muss man doch das zusätzliche Gewicht mit anschieben.

Auf internationaler Ebene sind durchwegs nur Topathleten im Einsatz, zu einem grossen Teil auch Profisportler. Das wöchentliche Training eines Anschiebers und natürlich auch des Piloten besteht aus Kraftraum- Training, Lauf- und Sprint- Training und einem Anschiebtraining mit speziell dafür gefertigten Rollwagen. Zur 42 Stunden Woche als Zimmermann, kommen mindestens 15 Stunden Leistungssport hinzu.

Die Athleten müssen ihre sportliche Fitness regelmässig bei Leistungstests in Magglingen unter Beweis stellen. Beim Leistungstest in Sprint (30,40,60-m), Sprungkraft, Anschieben mit 65 und 95 Kg, wird eine Leistungspunktzahl errechnet. Mein Sporttrainer Felix Zimmermann, Mitglied des Medical Team Swiss Sliding und Athletiktrainer in Magglingen, hat mich in einem professionellen und intensiven Training, während der letzten 12 Monaten begleitet.  Die erfreuliche Leistungssteigerung ist nicht ausgeblieben. Waren es 2018 noch 561 Leistungspunkte, so erreichte ich im Februar 2021 737 Punkte. Mein Ziel ist es mich bis Ende Jahr der 800 Marke anzunähern und mich unter den besten Bobathleten der Schweiz einzureihen.

Um allerdings die Lücke zur Weltspitze zu schliessen, werde ich wohl nicht darum herum kommen, meine Arbeitszeit weiter zu reduzieren, um ein besseres Verhältnis zwischen Training und körperlicher Regeneration zu erreichen.

Swiss Sliding ist die Dachorganisation für Bob, Rodeln, Skeleton und Hornschlitten. Die Organisation stellt die Trainer und Betreuer für Elite- und Nachwuchsteams. Hauptsponsoren finanzieren einen Teil der Betreuung und Ausgaben für die Teilnahme an internationalen Anlässen.

Der Pilot trägt die finanzielle Verantwortung für das Bop Team. Dazu kann er Werbefläche, welche nicht von Hauptsponsoren belegt wird, auf Kleidern, dem Bob oder den Transportfahrzeugen vermieten. Sein Budget liegt bei geschätzten 150'000.- Fr. Der Pilot kommt für Unterkunft, Reise- und sonstige Kosten wie Startgeldern an einem Anlass oder für Trainingswochen für das Team auf. Ob dabei noch eine Entlöhnung für die Anschieber möglich ist, hängt von der Höhe der Sponsorenbeiträge ab.

Die Bobsaison beginnt im Oktober und dauert bis Ende Februar, wenn nicht noch Rennen in Übersee oder Olympische Spiele im Ausland stattfinden. Analog dem Skizirkus ziehen die Bobfahrer wochenweise von Station zu Station, trainieren, fahren Europacup- oder Weltcuprennen. Für einen Abstecher nach Hause reicht es selten.  (Aktuelle Termine finden sie im Termikalender)

 Als Zimmermann arbeite ich bei der GGS Holzbau AG in Gelterkinden in einem 100% Pensum. Mein Arbeitgeber ermöglicht es mir, während der Bobsaison die Arbeit für 5 Monate zu pausieren und nach Ende der Saison wieder einzusteigen. Für Trainingslager opfere ich einen Teil meiner Ferien und viele Wochenende. Bei Unterbrüchen während der Saison kann ich jederzeit auch wieder mal für eine Woche meinem Beruf ausüben, um etwas dazuzuverdienen. Trotzdem- meine fixen Lebenskosten sind während der Saison nicht gedeckt und ich muss diese aus meinem Ersparten oder Sponsorengeldern aufbringen.